
Ein Loblied auf eigener Hände Arbeit und ein Abgesang auf das Spekulantentum - Isak, ein einfacher Bauer bestellt hoch in den Bergen das brachliegende Ödland. Zu ihm gesellt sich Inger. Sie ist durch eine Hasenscharte entstellt und wird nirgendwo geduldet. Aberglauben und Intoleranz schlägt ihr entgegen. Doch Isak erkennt ihren Fleiss und ihre Akribie im zähen Ringen um das tägliche Brot. Sie passen sich, ihr Leben und die sozialen Interessen den Bedingungen die ihnen das Ödland auferlegt, an und erschaffen aus dem kargen Land eine reiche, fruchtbare Oase. Doch sie bleiben im Ödland nicht allein. Andere kommen, angelockt vom Erfolg der beiden und versuchen an deren Erfolg anzuknüpfen. Aber der Erfolg fordert Mühe und Entbehrung. Nur die Tüchtigen werden ihn erlangen.Der Ödlandbewohner quält sich nicht wegen der Herrlichkeiten, auf die er verzichten muss: Kunst, Zeitungen, Luxus, Politik sind gerade so viel wert, als die Menschen dafür bezahlen wollen. Nicht mehr. Der Erntesegen aber muss erarbeitet werden um jeden Preis, das war der Ursprung, die Quelle von allem und jedem. (S. 294)Die Sprache dieses Romans bleibt einfach, bodenständig und schmucklos - eben wie das bäuerliche Leben auf dem Ödland. Auf sprachliche Bilder und ausführliche Umschreibungen wird weitgehend verzichtet. Ebenso dramaturgische Überzeichungen und auf Spannungsbögen. Selbst bei der Beschreibung menschlicher Abgründe, bleibt Hamsuns Sprache nüchtern und emotionslos. Alles hat sich dem Wesentlichen - der Bestellung der Scholle - unterzuordnen. So gelingt es Hamsun den Leser in das karge Dasein der Ödlandbewohner einzuverleiben.Hamsuns Werk, für das er 1920 den Nobelpreis erhielt ist ein Loblied auf die Fruchtbarkeit der Scholle und der eigenen Hände Arbeit und ein Abgesang auf Spekulantentum und Überheblichkeit. Er entsprach somit Strömungen im Zeitgeist der 20er Jahre, der dann später auch in die Politik der Nationalsozialisten einfloss. Hamsun war ein glühender Anhänger von Adolf Hitler und ein Verfechter dessen Blut und Boden - Politik, was ihm im Alter zu Recht Ansehen kostete. Dennoch ist Segen der Erde ein wunderbar zu lesendes Buch über das ländliche Leben im Ödland. Und auch im Wissen der späteren Entgleisungen Hamsuns, bleibt das Buch unbedingt empfehlenswert.
Einfach, Einfach ... - Nachdem ich Hunger gelesen hatte und begeistert war, wollte ich unbedingt auch den Segen der Erde, für das Hamsun ja den Nobelpreis bekommen hatte, lesen. Das Buch ist beinahe ein Muss. Es ist zunächst idealistisch, da ein einzelner Mann aufs Ödland zieht und beginnt, Land urbar zu machen. Irgendwann braucht er Hilfe und da taucht eine Frau auf. Sie ergänzen sich und zeugen Söhne und Töchter. Der eine Sohn wird von der Stadt verführt, der andere bleibt bodenständig bei den Eltern. Im ersten Teil ist die Sprache auffallend biblisch, der Gedankenwelt und der Umwelt des Mannes angepasst. Dann kommen immer mehr Menschen und ihre Geschichten und Ansichten tragen dazu bei, dass das friedliche Leben im Ödland komplizierter und komplexer wird. Mit der Entdeckung von Kupfer in der Nähe des Landes, schlagen die Reize der Zivilisation vollends zu.Mehr Details werde ich hier nicht verraten. Das Buch ist wie gesagt lesenswert. Minuspunkte gibt es von meiner Seite für die, dem Buch nicht widersprechende, Schwarz (Stadt) - Weiß (Land) Malerei, außerdem ist das Lektorat etwas schlampig gewesen und hat neben einigen Rechtschreibfehlern auch geradezu blumige Übersetzungsfehler durchgehen lassen.
Einöde - Nicht nur die Landschaft ist karg in diesem Roman. Auch die Darstellung des Isaks beschränkt sich, auf das, was er zu leisten vermag, indem er sich gegen alle Widrigkeiten zur Wehr setzt. Der Roman war lange Zeit umstritten, galt auf Grund verklärender Naturbeschreibungen und der Urbarmachung von Heimat als reaktionär, wurde in den falschen Händen als Loblied auf die Scholle zum Programm. Und trotzdem handelt es sich um eine betörende Geschichte eines Einzelgängers und dessen Familie und wer ihn genau liest, bemerkt, daß diese Familie gerade an dem zerbricht, was dem Vater als Wert an sich erschien. Gebe es da nicht den Zufall, daß ausgerechnet eine Mine in den Bergen eröffnet wird, wäre der Bauer Isak auf seiner eigenen Scholle verhungert. Und mit ihm seine Ideale. 1917 erschienen, gehört der Roman zur literarischen Moderne, trägt seine Geschichte auch ins 21. Jahrhundert als Zeugnis davon, wie die Welt abseits der falschen Töne ausgesehen hat.
Das Glück liegt in der Erde - Fast wie ein Märchen erscheint die Erzählung über Isak, den Bauern, der sich im Ödland von Norwegen ansiedelt und durch unermüdliche Arbeit und Ideenreichtum sein Land erschließt.Von Jahr zu Jahr wächst sein Hof, sein Wohlstand und sein Ansehen.Inger gesellt sich zunächst als Magd zu ihm, später wird sie seine Frau und sie gründen eine Familie.Sie leben im Zeitalter des Holzlöffels und sind glücklich mit ihrem Vieh und der vielen Arbeit.Doch ganz problemlos bleibt es nicht. Inger wird nach einem Kindsmord zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt und lebt für viele Jahre in der Stadt. Nach diesem Aufenthalt verändert sie sich sehr. Auch der erstgeborene Sohn Eleseus zieht in die Stadt und macht eine starke Wandlung durch.Die Gegensätzlichkeit von Stadt- und Landleben bildet den zentralen Konflikt des Romans.Gleichzeitig ist genau dies auch die philosophische Aussage des Buches.Der Autor weist dem Zivilisationsmenschen in einer nüchternen, einfachen Sprache, einen Weg zu sich selbst.Man entdeckt eine längst vergangene Welt, in der der Mensch noch vom Leben selbst existierte.
Back to the Roots - Segen der Erde aus dem Jahr 1917 erzählt von dem einfachen, doch bodenständigen Norweger Isak, der hinaus in die Wälder zieht und mit viel Einsatz ein Stück Wildnis urbar macht. Er baut eine kleine Farm auf, heiratet und hat später Kinder. Es ziehen weitere Siedler in die Gegend, und Bauer Isak wird wohlhabender und schließlich sogar Der Markgraf genannt. Isak kann nicht Lesen und Schreiben, doch er lebt in Einklang mit der Natur und er arbeitet hart und ehrlich. Mit diesen einfachen Grundsätzen kommt er zum Erfolg. Üblicherweise - auch von den Siedlern um Isak - wird das Stadtleben als das facettenreichere, sorglosere und Erfolg versprechendere angesehen. Doch im vorliegenden Roman erweist sich dies als unzutreffend: der Segen der Stadt verwirklicht sich für keinen der Charaktere. Aber auch auf dem Land kommen nicht alle zurecht. Beständigen Erfolg weist allein Isak auf. Ich verstehe den Titel daher nicht so, dass das Landleben dem Stadtleben vorzuziehen wäre, sondern eher darin, dass der Reichtum der Erde schlichtweg unterschätzt wird. Man muss nur körperlich hart dafür arbeitenHamsun schreibt sehr bildlich und die Darstellung der einzelnen Charaktere ist ihm wunderbar gelungen. Der Roman weist viele Parallelen zu seiner eigenen Biographie auf, zum Beispiel auch die Auswanderung von Isacs Sohn nach Amerika. Gedanken und Empfindungen der Stadt- und Landmenschen oder der verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen hat er sehr gut herausgearbeitet. Die Idealisierung der ländlichen Werte spiegelt die Diskussion im damaligen Zeitgeist wider - Norwegen wurde erst relativ spät industrialisiert. Und es verwundert nicht, dass dieses Buch auch von den Nationalsozialisten zu propagandistischen Zwecken missbraucht wurde, da es ideal zur NS-Ideologie vom Blut-und-Boden-Mythos passte. Hamsun erhielt für dieses Buch 1920 den Literatur-Nobelpreis, und weiterhin wegen seiner Deutschfreundlichkeit und einiger unangebrachter Zeitungsartikel nach dem Krieg eine saftige Geldstrafe. Das Buch hat also eine interessante Hintergrundgeschichte.